Prozessualität und Wärme

Eine weitere grundlegende Überlegung ist die Tatsache, dass wir von einer Substanz nicht nur die Elemente aufnehmen, aus denen sie besteht, sondern auch und noch viel mehr den „Prozess“, der sie prägt. Der Prozess, den die Substanz im Laufe ihrer Entstehung und Umwandlung durchläuft, kann weit wichtiger sein als ihre Eigenschaft als einzelnes, aus ihrem Kontext genommenes Molekül. Die Substanz trägt die Erinnerung an ihr Entstehen, ihr Wachstum, ihre Emanzipation, ihre Reife und ihre Funktion im Kontext, in dem sich sich entwickelt hat, in sich. So tragen Zuckermoleküle, die aus Rüben, aus Zuckerrohr oder aus Bienenhonig gewonnen wurde, ganz unterschiedliche Botschaften und funktionelle Wirkungen in sich. Oleuropein oder Polyphenole aus Olivenbäumen tragen somit ganz andere Prozess-Botschaften in sich als die von anderen Pflanzen.

Der Olivenbaum eignet sich bestens zu phänomenologischen Überlegungen in Bezug auf seine Prozessualität. Und auch hier steht der Olivenbaum für einzigartige und bedeutende Lebensprozesse. Die Anmut seiner belaubten Krone im Gegensatz zu den engergiegeladenen physischen Eigenschaften seines Stammes und die Kargheit der abweisenden Erde, in der der Baum wächst, hinterlassen im Olivenbaum eine wichtige Botschaft, die in der Heilkraft seiner Derivate übertragen wird. Die Substanzen der Olivenblätter tragen eine Botschaft in sich, die von Leichtigkeit, Helligkeit und Lebendigkeit spricht – selbst in schwierigen und verhärteten Situationen und bei Stress. Die Kraft dieses Baums, in Grenzsituationen zu wachsen und den Widrigkeiten des Wetters über lange Zeit standzuhalten, zeigt sich in der Hartnäckigkeit, mit der sich seine Wurzeln in der Erde verankern, in den knorrigen und verrenkten Formen seines Stammes und in der Explosion seiner Lebenskraft, wenn die Blätter kommen und mit der Luft, dem Licht und der Wärme der Umwelt kommunizieren. In diesen Prozessen werden die Grundlagen für die spätere Wirkung der Phytamine auf die Gesundheit gelegt. Wissenschaftler aus der ganzen Welt (siehe Bibliographie) bestätigen diese Wirkungen als Spiegel und Echo des „Prozesses“ der phänomeologischen Erscheinung der Pflanze. Das Pflanzenextrakt aus Olivenblättern gilt als starkes Antioxidationsmittel, als Mittel gegen freie Radikale, Antisklerose- und Antiaging-Mittel, es wirkt positiv auf den Kreislauf und beugt der Bildung von pathologischen Ablagerungen im Organismus vor. Olivenblätter tragen durch ihre ausgleichende Rolle im Bezug auf die Pflanze in ihrer Gesamtheit das wichtigste Lebenszeichen in sich: die Verjüngung, Frische und Leichtigkeit im Gegensatz zu dem, was vom Vergehen der Zeit geprägt ist, zur Härte neigt und älter wird. Die Haupteigenschaft der Pflanze ist wichtiger als ihre einzelnen isolierten Substanzen. Mit anderen Worten ist der Prozess der Leichtigkeit und des Lichts für die Bildung und die Ansammlung spezifischer Substanzen in den Olivenblättern verantwortlich. So gesehen, bildet dieses dünne und zarte Element der Pflanze die Basis für ein so konkretes Zeichen wie die Produktion von Substanzen.

Eine weitere wichtige Überlegung ist, dass die Vielfalt der in den Blättern enthaltenen Stoffe (siehe unten) einen Komplex aus Molekülen mit ausgleichender Wirkung bilden, der nicht polar oder einseitig wirkt wie eine einzelne Substanz. Der der aus den Blättern gewonnene Saft bildet nämlich eine Miteinander von Substanzen, die in ihrer Gesamtheit eine wohltuende und heilsame Symphonie ergeben. Die einzelnen Substanzen aus dem organischen Komplex können hingegen mit dem Klang einzelner Instrumente verglichen werden, wie z. B. mit einem Fagott oder einer Trompete, die sich in die Gesamtheit und die Harmonie des gesamten Orchesters einfügen.

Der heutige pharmakologische Ansatz bei Krankheiten basiert hauptsächlich auf der Anwendung von einzelnen Arzneimitteln, die mit ihrer polaren Wirkung gezielt gegen eine bestimmte Krankheit eingesetzt werden. Diese einseitige und unausgeglichene Wirkung des Medikaments führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass Nebenwirkungen auftreten. Die natürliche Methode basiert hingegen auf einer anderen Philosophie: Es geht um eine Methode, die nicht in erster Linie die Krankheit behandelt, sondern für den allgemeinen Gesundheitszustand des Organismus sorgt und diesen aufrechterhält. Die Gesamtheit der unzähligen Stoffe, die im Extrakt der Olivenblätter enthalten ist, trägt eine Potentialität von Kräften und von Prozessualität in sich, die mit ihren Funktionen zur Verjüngung, Erfrischung, Erleichterung und Gesundheitsentwicklung auf die salutogenetische Gesamtwirkung auf den Organismus abzielt.

Der Olivenbaum und die Wärme

Untersucht man diese faszinierende Pflanze und ihre Prozesse weiter, so ergibt sich eine interessante Dynamik zwischen der Pflanze und der „Wärme“. Der Olivenbaum lebt in der Wärme, speichert Wärme und steht für Wärme. Er ist dazu geschaffen, die Wärme der Sonne, der Luft und der Erde in sich und in seinen Bestandteilen einzuschließen. Auch wenn der Stamm einerseits so aussieht, als sei er durch das Feuer vertrocknet und verbrannt, so konzentriert sich die Wärme andererseits im Öl, das in den Früchten enthalten ist. Zwischen diesen beiden Polen leben die Blätter in einem Gleichgewicht der Wärme. Hier kommt ein sanfter Lufteffekt zum Ausdruck, der mit der Umwelt kommuniziert und den Weg hin zum Elan und zur Weite weist. Die gesamte Pflanze nimmt die Wärmeprozesse auf und teilt sie gesund und weise ein. Die Blätter eignen sich dabei besonders gut für die doppelte Funktion der Wärmespeicherung und – abgabe, was in einem dynamischen Dialog erfolgt.

Was die menschlichen Krankheiten betrifft, können diese in zwei große Kategorien eingeteilt werden: auf der einen Seite die degenerativen oder sklerotischen Erkrankungen, wo es gewöhnlich zu „Ablagerungenv oder „Verhärtungen“ mit einer übermäßigen Strukturierung des Gewebes kommt (und oft mit einem Absinken der Basaltemperatur einhergeht), und auf der anderen Seite entzündliche Erkrankungen, bei denen es zu einer „Auflösung“ und einer „Chaotisierung“ des Gewebes mit Formverlust (und Erhöhung der Körpertemperatur) kommt. Durch die Einnahme des Extrakts und durch die in den Olivenblättern enthaltenen Stoffe kann das Gleichgewicht der physiologischen Wärmeprozesse kontrolliert und wiederhergestellt werden. In seiner Gesamtheit fördert der Phytokomplex die Langlebigkeit, weil er für ein angemessenes Gleichgewicht im menschlichen Organismus sorgt – zwischen der Abgabe übermäßiger Wärme (entzündungshemmende Wirkung) und der Erwärmung von Stellen, die zur Verhärtung und zu Ablagerungen neigen (antisklerotische Wirkung).