Botanik, Taxonomie und Geschichte der Verwendung von Olivenblättern

Der Olivenbaum gehört zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Der immergrüne Baum kann bis zu 10 m hoch werden. Er besitzt eine helle Rinde. Die Blätter sind gegenständig, ganz, steif und lederartig, elliptisch und schmal, in manchen Fällen lanzettlich, und haben eine dunkelgrüne und glatte Oberfläche. Die untere Seite ist silbern und mit Härchen versehen (Foto 2, B). Die Blüten bestehen aus vier Kelchblättern, einer weißen Kronröhre und vier Kronlappen. Sie sind zwittrig und befinden sich an seitenständigen Rispen (Foto 2, B). Die Früchte sind rund, fleischig, unilokulär und enthalten 1 oder 2 Samen. Die Oliven sind fleischig, rundlich oder pflaumenförmig, zuerst grün, dann rot und im Reifestadium blauschwarz (Foto 2, A und C).

Die Pflanze wächst in allen südeuropäischen Ländern, im Mittelmeerraum bis zum Balkan, und wird dort auch angebaut.

Ihre Verwendung zu Heilzwecken geht weit zurück. Schon die antiken Kulturen des Mittelmeerraums (Ägypter, Juden, Griechen und Römer) schätzten den Baum.

Die historischen Zeugnisse der Verwendung der Pflanze unterstreichen, dass der Unterschied zwischen den Früchten und den Blättern schon in der Antike erkannt worden war. Ein Beispiel dafür ist die Beschreibung des Olivenbaum durch den Propheten Ezechiel; es handelt sich um die erste Pflanze, die in der Bibel als Heilpflanze bezeichnet wird.

“Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.” (Ez 47, 12)

Die Ägypter nutzten das Olivenöl nicht nur zu Nahrungszwecken, sondern auch bei der Mumifizierung der Pharaonen; in anderen antiken Kulturen, wie z. B. den Griechen, wurde der Olivenblätteraufguss im Volk als Heilmittel gegen Fieber verwendet. Im Laufe der Jahrhunderte geriet die Verwendung der Olivenblätter zu therapeutischen Zwecken jedoch immer mehr in Vergessenheit. Nur das Olivenöl wurde weiterhin genutzt.

In jüngerer Zeit wurden die Komponenten der Olivenblätter dann wieder deutlich aufgewertet. Die erste Erwähnung der medizinischen Verwendung in der Moderne geht auf das Jahr 1843 zurück, als Daniel Hanbury aus England die malaria- und fieberhemmende Wirkung eines Bitterstoffs angab, der „im Olivenblättertee vorhanden ist”. Diese Anmerkungen wurden 1854 im „Pharmacetical Journal“ wiedergegeben. Beigefügt waren Anweisungen und Dosierungen für die Zubereitung von „Olivenblättertee“. Einige Jahre später, im Jahr 1898, wurde im King’s American Dispensatory ein sehr konzentrierter Olivenblätterabsud als nützliches Heilmittel zur Regulierung der Körpertemperatur erwähnt. Im letzten Jahrhundert wurden die Wirkungen des Extrakts aus Olivenblättern dann sowohl an Tieren als auch an Menschen getestet und untersucht, um die in der Geschichte erwähnten Heileigenschaften zu prüfen.